Fonds de Secours S.N.P.G.L. - Wie es begann!

Artikel wurde im INFO 01/2002 veröffentlicht

Immer wieder wird der Name von Léon ESPEN in Verbindung mit der Stiftung „Fonds de Secours“ gebracht. Irgendwie ist sein Name bis heute mit dem FDS eng verknüpft. Es sollte auch nicht verschwiegen werden, dass er bei seinem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand auf das obligate Abschiedsgeschenk vonseiten seiner Arbeitskollegen demonstrativ verzichtete. Die dafür bestimmte Geldsumme sollte, so ein einsamer Beschluss von Léon ESPEN, dem FDS zufliessen. Daraufhin verstand er es immer wieder mit grosser Einfühlungsgabe und im Rahmen der Gewerkschaft zu Kollekten anzuregen, um die gesammelten Gelder dann integral dem FDS zukommen zu lassen, die von dort aus minderjährigen Kindern von verstorbenen Amtskollegen zugute kamen.


Léon ESPEN anfangs der fünfziger Jahre.

Der Aufbau des drahtlosen Interpol-Netzes LXF 50 hatte gerade begonnen.


Ältere Beamte erinnern sich sicherlich und vielleicht noch mit heimlicher Nostalgie an seine unverkennbare Stimme am Funk, als die damalige Gendarmerie ihr eigenes Funknetz gerade installiert hatte. Mehr dürfte den meisten von uns nicht über diese Persönlichkeit bekannt gewesen sein.

Nun, wir wollten es genau wissen ! Wir wollten wissen wie es damals war; was diesen Mann dazu bewegte eine solche karitative Stiftung ins Leben zu rufen. Wir wollten wissen wie und wo Léon ESPEN heute lebt. Um dies herauszufinden, wie er heute so lebt und alles so macht, kam uns ein sonderbarer Einfall: Wir haben den illustren Pensionär nach kurzer Voranmeldung zu Hause aufgesucht.

Am 15. März 2002 besuchten wir ihn in seinem Heimatort Ehnen. Dort lebt der 74-Jährige Ruheständler heute zusammen mit seiner charmanten Ehegattin, auf seiner „Burg“ wie er mit humorigem Unterton sein Haus hoch oben in den Weinbergen nennt. Von dieser „Burg“ aus geniesst man tatsächlich ein atemberaubendes Panorama des dortigen Moseltals. 

Wir stellten unserem Interviewpartner die nachstehenden Fragen und das Resultat wollen wir dem interessierten Leser nicht vorenthalten.


Herr ESPEN, wie geht es Ihnen heute und was machen sie in Ihrem wohlverdienten Ruhestand ?

Mir geht es soweit ganz gut ! Es liegt mir sehr am Herzen sowohl körperlich als auch geistig fit zu sein. Fit halte ich mich mit Gartenarbeiten rund um mein Haus. Ja .. ich bin sogar einem Wanderverein beigetreten. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit nehme ich zusammen mit meiner Ehefrau sowohl an Märschen als auch an Spaziergängen teil. Die Distanz variiert zwischen 5 und 20 Km !! Über die körperliche Fitness hinaus versuche ich ebenfalls die Geisteskraft zu erhalten und ich lese ziemlich viel. Beispielsweise habe ich mich auch der englischen Literatur zugewandt.


Was waren die verschiedenen Stationen in der Verwaltung welche sie durchlaufen haben ?

Dies ist eine interessante Frage ! Sie ist in dem Sinne sogar sehr interessant um den jüngeren Kollegen vor Augen zu führen wie es uns damals beim Eintritt in die Verwaltung ergangen ist.

Nachdem ich mich bereits im Januar 1945, die Ardennenoffensive war noch in vollem Gange, als „Volontaire de Guerre“ gemeldet hatte, wurde ich am 12.. Mai 1945 einberufen. Beim Militär habe ich so manch denkwürdige Tage erlebt ! Ich musste u.a. deutsche Kriegsgefangene bewachen und neben dem üblichen Drill sammelte ich dort meine ersten Erfahrungen am Funkgerät.

Im Frühjahr 1947 wurde ich zum damaligen Kommandanten des Bataillons befohlen und wurde gefragt ob ich meine Kandidatur für die Gendarmerie aufrechterhalten würde. Ich erklärte dem Kommandanten, dass dem noch immer so sei und ich noch immer gewillt sei der Gendarmerie beizutreten. Daraufhin wurde ich von Walferdingen nach Luxemburg in die Heilig-Geist-Kaserne verlegt. Übrigens die einzige Kaserne in Europa, welche über das Dach zugänglich ist !!!

Eines Nachmittags wurden 12 Freiwillige gesucht. Ich meldete mich ohne zu wissen was da auf mich zukommen würde. Jedenfalls werde ich das was da auf mich zukam nie vergessen. Ich hatte mich „freiwillig“ für die Exekution eines Kriegsverbrechers gemeldet ! Morgens wurden wir noch vor dem „Clairon“ geweckt. Unsere Gewehre mussten wir bereits am Tage vorher beim Waffenmeister abliefern. Nachdem wir im Hof Aufstellung genommen hatten wurden uns die Gewehre zurückgereicht. Wir wurden gründlich ermahnt nicht in der Patronenkammer nachzusehen. Verschiedene Gewehre waren nämlich mit Platzpatronen geladen. Niemand von uns wusste also ob er nun scharfe Munition in seinem Gewehrlauf hatte oder nicht.

Die Zeremonie war gespenstisch. Ich hatte noch nie an der Erschiessung eines Menschen teilgenommen und nun sollte ich an einer solchen mitwirken. Im Morgengrauen wurde der Gefangene in den gut abgeschirmten Hinterhof des Strafanstalt hineingeführt. Wir hatten, wie bereits erwähnt, Aufstellung genommen. Zuerst wurden dem Gefangenen die Hände verbunden und als man dazu überging ihm die Augen zu verbinden, lehnte der Gefangene dies resolut ab. Die ersten Kommandos schallten durch den Hof. Der Gefangene rief mit einer Stimme die ich bis heute nicht vergessen habe:“Je meurs parce que j’ai cru à une nouvelle Europe“. Sekunden später kam der Feuerbefehl und der Gefangene brach zusammen. Daraufhin gab der Kommandant unserer Einheit dem Kriegsverbrecher den Gnadenschuss. Ich habe dieses Erlebnis bis heute nicht vergessen.

Im August 1947 wurde mir dann ein Schreiben zugestellt, dass ich ab dem 01. September 1947 der Gendarmeriebrigade ULFLINGEN zugeteilt sei. Ich verfügte mich nach Erhalt dieses Schreibens zur Waffenmeisterei und erhielt dort meine Pistole und meinen Gummiknüppel. Am Tage seiner Abreise begab „Léon“ sich mit seinem Gepäck und geschultertem Gewehr zum Bahnhof und fuhr mit dem Zug nach ULFLINGEN. (lacht)

Ich wurde gleich zum Grenzposten Schmiede detachiert. Ich versah meinen Dienst dort ab Dezember 1947 bis zum Monat Februar oder März des Jahres 1950. Dies war eine ziemlich lange Zeit! Obwohl ich mein Anstellungsexamen bereits im Jahre 1949 bestanden hatte, musste ich zusammen mit meinen Alterskollegen warten, bis auch der letzte Hilfsgendarm nach dem Krieg angestellt war. Dadurch erhielt ich meine definitive Anstellung erst im Mai 1951. Ich war der erste Armeefreiwillige der in die Gendarmerie eintrat.

Ich vermag mich noch sehr wohl daran zu erinnern, als der damalige Gendarmeriekommandant DONCKEL Anfang der fünfziger Jahre eine Funkstation ins Leben rief da Luxemburg INTERPOL beigetreten war. Ich meldete mich aufgrund meiner Vorkenntnisse die ich beim Militär erworben hatte sofort freiwillig und trug meinen bescheidenen Anteil zum Aufbau des ersten Funknetzes für die Gendarmerie hierzulande bei.

Wirmussten uns komplett in die Sache hineinknien. Anders ging es nicht, denn es ging um den Aufbau einer neuen Sache. Es ging um den Aufbau eines landesweiten Funknetzes. Man besorgte sich die unentbehrliche Fachliteratur über „Radio Technique“ und fing an dieselbe zu studieren. Wir mussten damals bereits Lehrgänge absolvieren. Es war wichtig, dass meine Arbeitskollegen und ich uns dieser Sache hingaben. Es war sogar unerlässlich, denn wir waren zuständig für die Wartung und die anfallenden Reparaturen an den Funkapparaten. Im Jahre 1953 wurden die ersten Funkgeräte in die Dienstwagen eingebaut und ohne die erforderlichen Grundkenntnisse wäre dies nicht machbar gewesen.

Auf der Funkstation verblieb ich bis zum Jahre 1967. Krankheitshalber und auf Anraten meines Arztes musste ich meinen Dienst beim LGS (zentrale Funkstelle) einstellen. Als zu dieser Zeit ein Examen für die damalige „Sûreté“ ausgeschrieben wurde, meldete ich mich und nach bestandenem Examen wurde ich der Finanzsektion zugeteilt. Später wechselte ich zum Sekretariat der „Sûreté“ und verblieb dort bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1984.


Würden Sie uns bitte erzählen was Sie dazu bewegte den Grundstein für den „Fonds de Secours“ zu legen ?

Ich muss dieser Frage etwas vorgreifen. Zu dieser Zeit war ich bereits auf dem Sekretariat der damaligen „Sûreté Publique“ tätig. Ich hatte somit viel Kontakt mit ausländischen Berufskollegen und hatte mit Polizeibeamten aus der ganzen Welt zu tun. Hierzu fallen mir beispielsweise Beamte der DEA und Polizeibeamte aus New York ein, mit welchen ich zu tun hatte. Ich war u.a. auch verantwortlich für die Betreuung dieser Polizeibeamten. So blieb es nicht aus, dass man sich auch über die damalige Polizeiausrüstung und die Gefahren, welche Polizeibeamte begegneten, unterhielt. Nachdem die amerikanischen Polizeibeamten mir mitgeteilt hatten, dass sie ständig auf der Hut sein müssten und dass Morde an Polizeibeamten in den Vereinigten Staaten auf der Tagesordnung stünden, beschlich mich ein ungutes Gefühl. Wir waren uns damals einig, dass diese Gewalt nach Europa und dann wohl auch nach Luxemburg überschwappen würde. Mit meiner düsteren Vorahnung sollte ich leider Recht behalten. Bereits im Oktober 1985 wurde der damalige Polizeibeamte Patrice CONRARDY in Ausübung seines Dienstes getötet und knapp anderthalb Jahre später (April 1987) ereilte den damaligen Gendarmeriebeamten Lucien DO REGO das gleiche Schicksal.

Anhand des Meinungsaustausches mit den amerikanischen Kollegen wurde wohl der Grundstein zur Idee dieser Stiftung gelegt, was dann später einmal zur Gründung des „Fonds de Secours“ führen sollte . Als ich dann einmal zusammen mit anderen Beamten meiner Dienststelle von einer Mission zurückkehrte, gab ich diesen meine Idee im Hinterhof der damaligen Gendarmeriekaserne auf Verlorenkost bekannt. Kurz darauf wurde die Stiftung gegründet. Das gesammelte Geld überreichte ich in Form eines Schecks von mehreren tausend Franken an den ehemaligen Präsidenten des SPGL Camille ROCK.


Was empfinden Sie heute wenn wir Ihnen mitteilen, dass bereits mehr als 15 Kinder vom FDS finanziell unterstützt wurden respektiv werden ?

Ich bin froh, dass es die Stiftung noch gibt und dass so viele Kinder vom FDS unterstützt werden. Ich versuche selbst heute noch in meinem Bekanntenkreis zu Kollekten für den FDS anzuregen. Denn eigentlich frage ich mich auch ob der FDS noch genügend Reserven hat um seiner Rolle gerecht zu werden.

Es sind wohl noch Reserven da, doch werden diese rasch abnehmen, falls die notwendigen Spenden eines Tages ausbleiben sollten!


Hatten Sie sich erwartet, dass der FDS der ja nach Ihrer Idee gegründet wurde, heute nach so vielen Jahren noch Bestand haben würde ?

Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass wenn die Stiftung bis richtig angelaufen sei, sie einen bleibenden Wert behalten würde. Allerdings konnte ich damals nicht wissen, dass die Stiftung langfristig ausgebaut würde und so zu dem geworden ist was sie heute ist.

Herr ESPEN wir bedanken uns recht herzlich für dieses exklusive Interview und die damit verbundene Zeit, die Sie sich genommen haben.


Durch das Interview führten die beiden Vorstandsmitglieder, welche für den „Fonds de Secours“ verantwortlich zeichnen.

Erny T. KOHN und Luc SCHOLTES Trésorier FDS und Trésorier-Adjoint FDS


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