PRESSE Wort.lu Spurensuche in Bonneweg

Lokales/13.04.2018

Der Fluchtfahrer, der am Mittwoch in Bonneweg durch Polizeikugeln zu Tode kam, hatte bereits mehrere Unfälle verursacht, bevor er mit seinem Wagen einen Polizisten ins Visier nahm.

Von Steve Remesch und Michel Thiel

Nach und nach fügen sich die Puzzlestücke zusammen: Nach den tödlichen Schüssen, die ein Polizist am Mittwochnachmittag in Notwehr auf einen Autofahrer abgegeben hat, bringen eine Pressemitteilung und ein objektiver Blick auf die von der Spurensicherung am Tatort markierten Spuren mehr Erkenntnisse zum wahrscheinlichen Ablauf des Geschehens.

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Am Dernier Sol war der Fahrer offenbar auf den Bürgersteig aufgefahren (Stelle vom grünen Auto verdeckt) und hatte dann den Wagen energisch im Rückwärtsgang beschleunigt.
Foto: Michel Thiel

Ein erster Tatort dürfte sich demzufolge bereits am Dernier Sol befinden. Hier hat die Polizei auf den Parkplätzen quer zur Fahrbahn Reifenspuren markiert. Es sind offensichtliche Beschleunigungsspuren, die von einem Parkplatz ruckartig auf den überhöhten Bürgersteig führen, dann führen weitere Beschleunigungsspuren zurück auf die Straße.

Beschädigter Wagen und auffällige Fahrweise

Aus der am Donnerstagabend von der Pressestelle der Justiz im Namen der Staatsanwaltschaft verschickten Pressemitteilung geht hervor, dass die Polizisten den Wagen eben in dieser Straße, dem Dernier Sol, erblickten.

Der Fahrer sei durch seine Fahrweise, der Wagen durch die verstellte Spur und ein loses Kennzeichen aufgefallen. Der Fahrer habe sichtlich versucht, sich einer Kontrolle durch die Polizisten zu entziehen.

In der Parallelstraße, der Rue des Ardennes, sei er gegen einen abgestellten Wagen geprallt, heißt es in dem Schreiben. Auch hier waren nach der Tat Bremsspuren, aber auch ein beschädigter weißer Kastenwagen zu sehen. Es scheint, als habe der Fahrer kurz nach dem Verlassen des Kreisverkehrs die Kontrolle über seinen Wagen verloren.

In der Rue des Ardennes hat der Fahrer dann diesen Kastenwagen beschädigt.
In der Rue des Ardennes hat der Fahrer dann diesen Kastenwagen beschädigt.
Foto: Michel Thiel

Der dritte Tatort ist jener, an dem die tödlichen Schüsse fielen. An der Kreuzung der Rue des Ardennes mit der Rue Sigismond. Laut der Mitteilung der Staatsanwaltschaft gab hier einer der Polizisten, der inzwischen aus dem Dienstwagen ausgestiegen war, dem Fahrer deutliche Zeichen, den Wagen anzuhalten.

Beschleunigungsspuren über mehrere Meter

Dieser habe sich geweigert, zuerst den Wagen zurückgesetzt, um dann nach vorne in Richtung des Polizisten zu beschleunigen. Der Polizeibeamte habe dann, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, seine Dienstwaffe benutzt und den Fahrer getroffen.

Die Beschleunigungsspuren erstrecken sich über mehr als sieben Meter.
Die Beschleunigungsspuren erstrecken sich über mehr als sieben Meter.
Foto: Michel Thiel

Und auch dieser Sachverhalt lässt sich auf beeindruckende Weise aufgrund der Spurenlage nachvollziehen. Die Beschleunigungsspuren erstrecken sich über mehr als sieben Meter. Schleuderspuren führen wenige Zentimeter an den Positionsmarkierungen des rechts am Eingang der Rue Sigismond stehenden Streifenwagens vorbei. Die Spuren führen links an die Bordsteinkante, dann rechts zur Fassade, bevor der Mercedes an einem Baum am Place Léon XII zum Stehen kommt.

Auf der Kreuzung sind zwei Stellen mit blauen Punkten und weißen Kreidekreisen markiert. Hier lagen am Mittwoch die Patronenhülsen aus der Dienstwaffe des Polizisten. Dieser dürfte sich der Spurenlage zufolge inmitten der Fahrbahn befunden haben.

Einschüsse in Windschutzscheibe und Fahrertür

Eine Kugel traf den Wagen inmitten der Windschutzscheibe. Ein weiteres Einschussloch war in der Fahrertür, in der Zierleiste in Reifenhöhe zu sehen. Diese Kugel muss demnach auf die linke Fahrzeugseite abgefeuert worden sein.

Im Resümee ergibt das Puzzle demnach das Bild eines Fahrers, der mehrfach die Kontrolle über seinen Wagen verliert und letztendlich brachial auf einen Polizeibeamten zu fährt.

Keine Angaben zur Identität des Toten

Da aus der Pressemitteilung hervorgeht, dass die Identität des Fahrers durch die Autopsie bestätigt werden soll, dürfte diese den Sicherheitskräften inzwischen bekannt sein. Die Obduktion soll heute erfolgen. Angaben zur Person werden keine gemacht.

Derweil führt die Inspection générale de la police die Ermittlungen weiter.

Im Pressekommuniqué fällt aber auch ein weiterer Punkt auf: Es wird keine präzise Zahl an Schüssen genannt, die von der Polizei abgegeben wurden. Allerdings wird hervorgehoben, dass Zeugen drei Schüsse gehört haben wollen. Die Ermittlungen müssten dies aber erst bewahrheiten.

Source Wort.lu